Neptun 20 Reviere

Ihr wart auf großer Fahrt? Ein guter Bericht wird gerne gelesen.
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Neptun 20 Reviere

Beitrag von Tilikum » Di 26. Jun 2018, 09:06

Hallo zusammen,

meine Freundin und ich segeln eine Neptun 20 (mit goldenem Mast); bisher nur binnen. Wir fragen uns, wie sie sich auf dem Meer machen würde (Nordee, Ostsee, Mittelmeer, Atlantik). Die Neptun hat keine CE-Einstufung aber gibt es Erfahrungswerte oder Richtlinien bis zu welcher maximalen Windstärke und siginifikanten Wellenhöhe sich dieses Boot noch gut segeln lässt? Kann man da bei frischen 4-5 bft mit 6er Böen noch raus oder überfordert dies das Boot? Über die 22er wurde hier und da schon einiges gesagt, aber die 20er ist ja nunmal etwas kleiner - und ich finde dazu nichts, oder wenn nur von Leuten, die es auch nicht wissen. ;-)

Manuel
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Re: Neptun 20 Reviere

Beitrag von Tenovice » Di 26. Jun 2018, 12:20

Lass es mich wie folgt beantworten:

Es spielt meiner Meinung nach kaum eine Rolle, wie groß/klein dein Boot ist. Auch die Neptun 20 wird mit Seegang und Wind klar kommen - auch Windstärke 5-6 sind bei richtigen Handling kein Problem. Zu glauben, dass 2 Fuß (~60cm) mehr eine signifikante Steigerung der Sicherheit bringen, wäre fatal.
Es steht und fällt - wie im Straßenverkehr auch - mit den Fähigkeiten des Skippers und der Ausrüstung vom Schiff... So würde ich niemals rausfahren ohne Sturmfock, Treibanker und wirklich gutes Ankergeschirr - unabhängig von der Bootsgröße. Wenn man das Boot dann noch mit einem reffbaren Segeln ausgestattet ist, wirds sogar komfortabel... Also entweder Rollreff fürs Vorsegel (Quasi als "Ersatz" für die Sturmfock) und reffbares Groß (normales Bindereff) oder Sturmfock und Rollbaum (den gab es sogar von Neptun - nannte sich Schneckenreff). Die Variante mit dem Rollbaum lässt sich für sehr kleines Geld mit den bestehenden Segeln nachrüsten - ich hätte sogar noch einen rumliegen - falls Bedarf besteht...

Hier sind einige im Forum unterwegs, die auch mit der 20er große Strecken auf Meeren zurückgelegt haben...

Man muss - aber das sollte man als Verantwortungsbewusster Schiffsführer immer - den Wetterbericht genau im Auge behalten und etwas leidensfähiger sein, was den Komfort an Bord angeht. Ein größeres und schwereres Schiff rollt nicht soviel und bietet auf Grund des größeren Platzangebotes etwas mehr Wohnlichkeit und Komfort. Aber auf See machen die 60cm keinen wirklichen Unterschied - außer im Hafen - da ist die 20er meist günstiger...

MfG
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Re: Neptun 20 Reviere

Beitrag von Tilikum » Di 26. Jun 2018, 13:16

Danke für die Antwort, sehr hilfreich! :-)

Wir haben das Boot ja noch nicht so lang, daher ein paar mehr oder weniger blöde Fragen: Richtig Reffen ist wohl das A und O um auch auf stärkeren Wind zu reagieren. Unsere Fock bzw. Genua lässt sich einrollen. Ist das dann ein Rollreff oder nur eine Rollfock, ist das das Gleiche und wenn nicht, wie erkennt man den Unterschied? :?:

Unsere Groß hat eine Reff-Reihe. Da ist aber irgendwas nicht in Ordnung. Laut Takelplan muss es da Reffhaken geben, der fehlt. Muss ich wohl mal nachrüsten. Rollbaum klingt aber auch sehr spannend! Da komme ich vielleicht in kürze drauf zurück. Muss ich mal mit meiner geschätzten Miteignerin besprechen. ;-)

Treibbanker muss ich mir mal angucken, habe ich mich bisher nicht mit befasst. Unser fester Anker macht einen ganz guten Eindruck.

Einen Traveller vielleicht noch?

Ansonsten die Kollegen die eine 20er auf Meeren segelten, wäre gespannt auf Eure Meinung! :-)
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Re: Neptun 20 Reviere

Beitrag von Tenovice » Di 26. Jun 2018, 13:29

Ich greifen den Kollegen mal vor...

Die Rollfock ist daran zu erkennen, dass du ein Drahtvorstag hast. Dein Vorsegel ist an diesem mittels der Stagreiter befestigt. Stagreiter sind die kleinen bronzefarbenen Karabiner an deinem Segel. Unten an deinem Vorstag ist die Seiltrommel befestigt, mittels derdarin aufgerollten Reepschnur rollst du dein Vorsegel entweder komplett ein oder komplett aus. Dein Vorsegel kennt also nur 2 Zustände - nämlich ein- oder ausgerollt. Eine Rollreffanlage erkennt man an einem Aluprofil auf dem Vorstag - also einem Alurohr mit eingebauter Kederschiene. Dieses Aluvorstag ist unten auch mit einer Rolle verbunden. Du brauchst aber ein anderes Vorsegel, nämlich eines mit Keder und ohne Stagreiter. Da das Vorsegel mit dem gesamten Vorliek mit der Aluschiene verbunden ist, kannst du bestimmen wie weit du es ausrollst.

Der Reffhaken muss sich am Baum befinden, das Segel hat in der Regel nur eine Metallöse am Vorliek in welchem das Segel eingehangen wird.
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Re: Neptun 20 Reviere

Beitrag von Virus » Di 26. Jun 2018, 15:38

Hi,

was ich über die 20er sagen kann ist, dass man bei etwas Welle einiges Wasser abbekommt. Ich würde zu einer Sprayhood raten, die hält doch einiges ab.

Gruß
Willy
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Re: Neptun 20 Reviere

Beitrag von Apachenpub » Di 26. Jun 2018, 18:50

Hi Tilikum,

ich bin Dir sooo dankbar für diesen Thread. Exakt das gleiche Thema hier, einziger Unterschied sind 2 Fuß mehr (die nix bedeuten). War bisher als Jollensegler auf dem Binnensee unterwegs und würde mich gerne nächstes Jahr auf's Meer trauen (und wenn es das Ijsselmeer ist). Brauche dafür auch noch ein bisschen Material und Revierempfehlungen und Wissen etc. und verfolge diesen Thread (Reviere, Technik etc.) daher sehr aufmerksam! :)

Der Hinweis mit der Rollfock war schon Gold wert. Ich liebe Euch!


Cheers


Ekki
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Re: Neptun 20 Reviere

Beitrag von Tilikum » Di 26. Jun 2018, 19:10

Danke für die Aufklärung! :-)
Tenovice hat geschrieben:
Di 26. Jun 2018, 13:29
Die Rollfock ist daran zu erkennen, dass du ein Drahtvorstag hast. Dein Vorsegel ist an diesem mittels der Stagreiter befestigt. Stagreiter sind die kleinen bronzefarbenen Karabiner an deinem Segel. (...) Dein Vorsegel kennt also nur 2 Zustände - nämlich ein- oder ausgerollt.
Okay, so ist es.
Der Reffhaken muss sich am Baum befinden, das Segel hat in der Regel nur eine Metallöse am Vorliek in welchem das Segel eingehangen wird.
Da ist nix. Ich weiß, dass vom Vorbesitzer mal der Lümmelbeschlag repariert wurde. Ich vermute, da hängt der dran. Evtl. wurde der Haken dabei versehentlich entfernt. :roll:
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Re: Neptun 20 Reviere

Beitrag von Tenovice » Di 26. Jun 2018, 19:21

Dann würde ich da ansetzen... der Reffhaken macht durchaus Sinn... wobei ich ein großer Freund von dem Schneckenreff bin... da kurbelst du das Groß um den Baum... das ist meiner Meinung nach das beste Reffsystem fürs Groß... selbst wenn das Reffsystem auf Grund eines defektes mal nicht funktionieren sollte, kannst du trotzdem das Groß noch bedienen...

Ich würde für den Törn in jedem Fall einen Kartenplotter mitnehmen... im Cockpit wird wohl niemand mit Papierkarten arbeiten (die man aber in jedem Fall mitnehmen sollte)...
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Re: Neptun 20 Reviere

Beitrag von Boddensegler » Di 26. Jun 2018, 21:04

Ich bin mit meiner 20er schon (unfreiwillig) bei 7 Windstärken unterwegs gewesen, kein Zuckerlecken! Zumal ich auch den längeren Mast (schwarz) habe, Groß stehengelassen und die Genua voll eingerollt. Muss nicht wieder sein.
Aber eine 5 mit Böen um 6 kann man, Erfahrung vorausgesetzt, schon gut aushalten. Vor Nässe sollte man dann aber keine Angst haben.
Da du, wie ich vermute, Anfänger(???) bist, würde ich als Grenze fürs 1. Jahr eine 4 ansehen. Man muss sich rantasten an den Wind und die eigenen Reaktionen entwickeln und festigen. Bei 45° Lage wird einem schon ein büschen anners. Vorsicht kann nicht schaden und Segeln soll ja Spaß machen.
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Re: Neptun 20 Reviere

Beitrag von Tilikum » Mi 27. Jun 2018, 11:01

Boddensegler hat geschrieben:
Di 26. Jun 2018, 21:04
Ich bin mit meiner 20er schon (unfreiwillig) bei 7 Windstärken unterwegs gewesen, kein Zuckerlecken! Zumal ich auch den längeren Mast (schwarz) habe, Groß stehengelassen und die Genua voll eingerollt. Muss nicht wieder sein.
Aber eine 5 mit Böen um 6 kann man, Erfahrung vorausgesetzt, schon gut aushalten. Vor Nässe sollte man dann aber keine Angst haben.
Mit einer gewissen Erfahrung steigen natürlich immer die Chancen einen Törn unbeschadet zu überstehen. :-) Ich bin noch am sammeln. Meine Lernkurve ist ein bissl flacher als bei anderen. Aber mir ging es vor allem langfristig darum, was das Boot ansich abkann - wenn man eine gewisse Erfahrung hat. Da bin ich nun schon etwas schlauer. :-)
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Re: Neptun 20 Reviere

Beitrag von Jochen » Mi 27. Jun 2018, 18:00

Hallo, ein paar Worte zum Vorsegel.
Wie lange man ein Vorsegel fahren kann ist einzig und allein eine Fragg des verarbeiteten Tuches. Wieviel Gramm pro q meter.
Mit einer leicheten Genua wegggerollt auf die Hälfte z.B. kann letzlich nur verlieren weil sich das Tuch sehr schnell so reckt das die Genua nachher nicht mehr vernünfig steht.
Also will man ein Vorsegel als Rollfock die wirklich Reffbar sein soll muss man sich für eine schwerere Qualität entscheiden. Hier sollte man den Segelmacher fragen.
Eine Bemerkung zur Welle und das verhalten kleiner Boote. Bei Wind rums es halt wenn man gegen an fährt. Je mehr Wind je doller das scheppern beim Einsetzen in die Welle,je nach Wassertiefe. Das macht dann einfach keinen Spass mehr, bei fünf oder sechs Gegenan zu fahren. Gerefft mit raumen Wind ist das allerdings allerhöchster Spass wenn man sein Schiff kennt.
Mann muss sich einfach mal rantasten, man sollte aber das Revier kennen. Z.B. Wenn man in Holland auf dem Ijsselmeer vor Stavoren oder Hindeloopen unterwegs ist, weis man als Holland Fahrer hier geht es ab, ab sechs aus Südwest bis West. Kennt man das nicht kann man sich fürterlich erschrecken, und wundert sich wie man das durchgeschasukelt wird.
Also Testen im Westen!!!
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Re: Neptun 20 Reviere

Beitrag von jan himp » Do 28. Jun 2018, 15:54

Moin Manuel,

CE ist eine Selbsterklärung des Herstellers, also keine Zertifizierung.

Die Neptun mit dem goldenen Mast ist recht schmerzfrei.
5 Bft sind auf der Nordsee kein Problem, evtl. das Schwert hochnehmen.

6 ist auch machbar, jedoch sind die Wellen das Problem. Da erweist sich dann das Boot stabiler als die Mannschaft.
Auf dem IJsselmeer ist Bft 6 für die Neptun schon nicht mehr zumutbar. Siehe Jochen.

Ab 10,5 m läuft ein Boot da schon komfortabler, aber Höhe schinden klappt auch nicht.

Lange Zeit auf die Spitze getrieben hat es Gerhard mit dem 22er Backdecker. „Gerhard auf See“.

Irgendwo bei Gibraltar hat er schließlich festgestellt, daß die 22er auf die Dauer doch nicht so ideal ist. Was macht z.B das Hubdach bei einer Rolle, die vielen Langfahrtseglern mal passiert?
Er ist dann auf eine Dehler 31 umgestiegen, die natürlich schneller ist, deren Rig ich aber für weniger belastbar halte, als das der Neptun.

Gruß,

Rolf
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Re: Neptun 20 Reviere

Beitrag von jan himp » Do 28. Jun 2018, 16:03

Att: TENOVICE:

Wurde das Schneckenreff durch Kaufleute, (Vorsicht BWL) weggespart?
An modernen Boote wird doch auch das Segel in den Baum gerollt, oder ein speziell gesschnittenes in den Mast.

Wat ist?

Gruß,

Rolf
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Re: Neptun 20 Reviere

Beitrag von Tenovice » Do 28. Jun 2018, 17:34

Naja... ich vermute, dass das Schneckenreff nicht durch Kaufleute weggespart sondern aus witschaftlichen Gründen nicht flächig eingeführt wurde. Ein Groß welches ich in den Mast wickeln kann ist per se etwas teurer, da meist durchgelattet und die Segellatten müssen sich ja mit einrollen lassen. Meistens wird hier zu teureren Laminatsegeln gegriffen, die in sich stabilder sind und somit flexiblere Segellatten verkraften. Dann braucht dieses Reffsystem auch regelmäßige Wartung - es wäre schließlich fatal, wenn man Tuch einrollen will und dann klemmt die Anlage - Das Fall einfach loswerfen ist dann kaum möglich.
Bei den Systemen die in den Baum rollen lässt sich zumindest im Fall eines Defektes das Segel noch bergen. Aber im Zweifel nicht mehr setzen, da man an das Tuch nicht mehr rankommt. Und durch die (meist aus Alu) Ummantelung des Segels wird der Baum dick und unschön. Auf großen Schiffen mag das egal sein, auf unseren kleinen Booten ist das aber durchaus ein Aspekt.
Das Schneckenreff ist von den mir bekannten Reffsystemen das einfachste. Ich muss zwar vorne am Mast stehen und den Baum mit der Kurbel drehen - und die Übersetzung ist echt nervig- aber das Groß ist sauber aufgerollt, sieht auch im Hafen anständig aus und man kann auch bei einem Defekt das Teil im Zweifel sogar noch mit dem Bindereff fahren. Und ich kann jedes Segel um den Baum rollen.

Ich vermute, dass es sich nicht durchgesetzt hat, da zu wenig damit verdient wurde. Es ist halt primitiv und kostengünstig - und das wo die BWLer doch nur des Seglers Bestes wollen

MfG
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Re: Neptun 20 Reviere

Beitrag von THM » Do 28. Jun 2018, 18:43

Wenn ich das Schneckenreff richtig verstehe, ist ein Baumniederholer (zumind. bei gerefftem Groß) nicht möglich. Gerade bei Starkwind sollte m.E. auch gut getrimmt werden - der Verzicht auf den Baumniederholer würde mich da stören. Andererseits hat ein gerefftes Segel sowieso kein optimales Profil mehr, da wird Trimmen dann vielleicht sekundär. Ein weiterer Punkt ist, dass der Baum beim Reffen fast waagerecht stehen muss, ansonsten wickelt sich das Segel falsch auf. Bei entsprechend Wind steigt der Baum u.U. und das Aufwickeln wird zum Problem. Vielleicht hat sich das Schneckenreff auch wegen solcher Unzulänglichkeiten nicht durchgesetzt.

Gruß
Thomas
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Re: Neptun 20 Reviere

Beitrag von Tenovice » Do 28. Jun 2018, 21:08

Das mit dem Baumniederholer ist ein guter Punkt, den ich vergessen habe darzustellen...
Wir nutzen dafür eine Rändelschraube, die wir oberhalb des Baumbeschlages in der Mastnut einschieben. Dadurch kann ich zumindest das Steigen des Baums in der Nut begrenzen. Der Effekt ist der Gleiche wie beim klassischen Baumniederholer...

Beim Aufwickeln vom Groß macht es Sinn ein bisschen mit der Dirk zu spielen... Das Problem hast du meines Wissens aber beim Mast-Rollgroß auch...
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Re: Neptun 20 Reviere

Beitrag von Tilikum » Do 28. Jun 2018, 21:20

Alles sehr interessant was ihr ihr schreibt! Eines der mich interessierenden Reviere war tatsächlich das IJsselmeer oder die Nordsee vor Den Haag. Aber naja, wenn man sich die Wellen (auf Bildern, in Prognosen) anuckt, scheint es eher die Regel zu sein, dass die eher hoch sind. Auch die Windstärken sind - z.B. im Vergleich zum Mittelmeer - tendenziell viel häufiger im Bereich 5-6 bft. Das ist dann vielleicht nicht grade das angemessenste Revier für uns. Was ich auch rausziehe aus euren Beiträgen ist auch, dass man differenzieren muss zwischen; ja das geht mit der Neptun 20 und es macht noch Spaß damit...
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Re: Neptun 20 Reviere

Beitrag von Tenovice » Fr 29. Jun 2018, 00:25

Naja Spaß ist relativ ;)

Aber mal im Ernst...

Wenn ich die Wahl hätte würde ich mal "klein" anfangen und die Frage nicht danach stellen, was mit dem Boot geht - weil das Boot verträgt mehr als die Crew...

Die richtige Fragestellung wäre die, wo kannst du mit deiner Erfahrung und deinem Können einen tollen Urlaub verbringen (das Boot spielt hierbei eigentlich nur eine untergeordnete Rolle)... Was bringt dir der Urlaub, wenn du 14 Tage gegen Wind und Wellen gekämpft hast und eigentlich ständig Angst ums Material oder gar die eigene Gesundheit hattest...Das wäre mir die wertvolle Urlaubszeit nicht (mehr) wert.

... Starte doch z.B. in die Boddengewässer ab Ribnitz-Damgarten (da kann man kostenlos slippen und parken) und mach einen Törn von dort aus durch die Bodden nach Hiddensee (Vitte) und retour. Da bist du bei bequemen segeln und diversen Badeaufenthalten locker bei 2 Wochen Urlaub und kannst mal ausprobieren, wie es sich auf etwas rauheren Gewässern bei guten Windverhältnissen segelt.

Das Revier hätte den Vorteil, dass du wenig Seegang hast, aber guten Wind - im Schnitt so bei 4 - 5 Bft... da übt es sich ganz gut - mal mehr Druck in den Tüchern zu haben. Des Weiteren hast du da immer Landnähe, was zumindest im Kopf etwas mehr Sicherheit gibt. Und wenn du dich auf den Bodden austobst, dann fällst du abends in die Koje und bist erledigt - versprochen!

Bitte versteh mich nicht falsch - ich finde es super, wenn man versucht - so wie du - sich an die Grenzen heran zu arbeiten um die Linie dann weiter zu verschieben. Aber es macht einen Unterschied, ob ich ohne Erfahrung in Kroatien oder sonstswo rumfahre oder ob ich das mit Erfahrung mache. Ich habe damals mit der 22er meinen ersten ernstzunehmenden Törn rund um Elba gemacht - rückwirkend betrachtet war das schlicht dämlich, da das mit Urlaub nichts zu tun hatte...

Wenn du dann noch mit der Frau unterwegs bist, dann sollte sie auch noch Spaß daran haben. Denn sonst bist du irgendwann nicht nur beim segeln allein ;)
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Re: Neptun 20 Reviere

Beitrag von THM » Fr 29. Jun 2018, 00:30

Tenovice hat geschrieben:
Do 28. Jun 2018, 21:08
Das Problem hast du meines Wissens aber beim Mast-Rollgroß auch...
Stimmt, das konnte ich mal auf einer Charteryacht am ersten Segeltag ausprobieren. Das war "Jugend forscht" :shock: vom Feinsten. Wir liefen mit Motor gegen den Wind in Kroatien auf die Küste zu und das Groß klemmte beim Reffen im Mast. Wir mussten dann den Kurs um 180° ändern und dabei kurz die Reling eintauchen um von der Küste wegzukommen. Mit etwas Nachdenken und dann waagerechtem Baum konnten wir beim nächsten Versuch das Groß reffen... :idea:
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Re: Neptun 20 Reviere

Beitrag von Goselagerer » Fr 29. Jun 2018, 17:54

Also ich glaube unsere Boote im allgemeinen vertragen viel mehr Wind und Welle, als wir selber. Holland ist ein ideales Anfängerrevier. Wenn Du raus aufs Isselmeer fährst und es Dir da zuviel wird, kannst Du Dich ganz einfach auf kleinere Gewässer zurück ziehen. Aber auch auf dem Isselmeer gibt es absolute Flaute.
Wichtig für Deine / Eure Sicherheit ist es, dass Du das Reffsystem Deiner Neptun sicher bedienen kannst. Evtl. musst Du Dein Ziel mal ändern aber umkippen wird Dein Boot wohl eher nicht, dafür sind sie einfach zu untertakelt. Eben keine Rennboote aber dafür sicher. Gegen die kurze steile Isselmeerwelle oder auch gegen die kurze steile Ostseewelle zu bolzen macht auf die Dauer echt keinen Spaß und es rumpelt auch ganz schön.

Wenn Du magst: Ich war die letzten drei Jahre mit meiner Neptun22 in Holland sowohl auf dem Isselmeer, dem Wattenmeer und auch den friesischen Kanälen unterwegs und habe die Filme auf Youtube gestellt, da siehst Du, wie es mit unseren Booten in Holland so ist.
Suche einfach auf Youtube: Neptunsegler und Neptun22, dann mache es Dir gemütlich.

Auch die Boddengewässer rund um Rügen sind ein tolles geschütztes Revier, wobei man sich hier oft sehr genau an Fahrrinnen halten muss.
Also pack Deine Neptun auf den Trailer und genieße Deinen Urlaub, Du musst ja nicht Meilen fressen, es ist ja Dein Boot und Du hast keine teueren Charterkosten...
Viel Spaß Sören
Neptun22 Backdecker Sanssouci, Segelnummer 3921, BJ 1980
Urlaubsvideos mit unserer Neptun 22 unter: https://www.youtube.com/user/Neptunsegler/
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Re: Neptun 20 Reviere

Beitrag von Pippifein » Sa 30. Jun 2018, 00:40

Ahoi miteinander,
bzgl. Großsegel: ich steh auf ein 2 reihiges Standard-Reff mit Lazy Jacks. Da gibt´s quasi nix was nicht funktioniert. Fall los lassen und das Segel liegt in den Lazy Jacks. Binnen ein paar Sekunden ist der Druck im Segel und damit die Krängung weg. Richtig auftuchen kann ich dann später im Hafen immer noch.
Sehr einfach zu bedienen und es kann eigentlich nicht kaputt werden. Und kostet quasi nix.

LG Alexander
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Re: Neptun 20 Reviere

Beitrag von olihamo » Sa 30. Jun 2018, 13:01

Den Trick mit der Rändelschraube habe ich nicht verstanden.- Geringfügige Ergänzungen: "Das Schneckenreff ist von den mir bekannten Reffsystemen das einfachste." Noch einfacher ist der drehbare Baum der Klepper Fam, der nach jeder halben Umdrehung im Lümmelbeschlag einrasten kann, jedenfalls beim Hahn-Rigg. Gerefftes Groß steht schlelchter: daher wurde früher das Miteinwickeln von Handtüchern propagiert. Fehlender Reffhaken: Vermutlich ist das beste, eine Bastellösung selbst am Baum - nicht am Lümmel - anzubringen. Evtl. geht auch festbinden. Stagreiter-Vorsegel und festes Profilvorstag: Wenn man unbedingt diese Kombination verwenden muss, nimmt man spezielle Plaste-Schäkel (Name vergessen, Götsch oder so ähnlich). Ob dann auch Reffen materialschonend möglich ist, weiß ich nicht.
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Re: Neptun 20 Reviere

Beitrag von Tenovice » Mo 2. Jul 2018, 10:20

olihamo hat geschrieben:
Sa 30. Jun 2018, 13:01
Den Trick mit der Rändelschraube habe ich nicht verstanden.[...]
Hauptfunktion des Baumniederholers ist doch, dass der Baum insbesondere in der Mastnut nicht nach oben steigt bei steigendem Winddruck im Segel. Für das achtere Ende des Baumes erledigt das ja die Großschot. Ich habe eine kleine Metallscheibe (mit entsprechendem Gewinde) welche in die Mastnut passt und mit der Rändelschraube ziehe ich das Ganze fest. Das Konstrukt kostet keine 2 EUR und hindert den Baum am steigen. Allerdings sind die Trimmmöglichkeiten eingeschränkt..

MfG
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Re: Neptun 20 Reviere

Beitrag von Jochen » Mo 2. Jul 2018, 17:53

Kurzbericht vom letzten Wochenende zum Thema Segelrevier
Samstag
NO / O 4 in Böen 6 Warm Strahlend blauer Himmel
Fahrtrichtung 180 bis 210 Grad Entfernung 12 SM Zeit ca.2 Std
Sonntag
O / SO 4-5 in Böen 7 Warm Strahlend blauer Himmel
Fahrtrischtung Nord bis 20 Grad Entfernung 12 SM Zeit ca.1Std 45 min.
Hochste Fahrt die Welle runter 8,2 mit Sonnenschuss.
Crew 2 Mann (Skipper mit Gast kaum Segelerfahrung)
Beide Tage: Fock 1 und ein Reff im Groß, flach getrimmt bis ans limit offen.
Spannend sagt ich Euch.
Meine Frau hätte mir den Vogel gezeigt.
Nach der Schleuse habe ich mir ein Schnäppschen gegönnt, um das blöde Grinsen aus dem Gesicht zu bekommen.
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Re: Neptun 20 Reviere

Beitrag von Jochen » Mo 2. Jul 2018, 17:53

Ijsselmeer hatte ich vergessen zu erwähnen
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