Führung Fockschoten

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Mephistopheles
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Führung Fockschoten

Beitrag von Mephistopheles » Do 23. Jul 2020, 14:59

Hallo zusammen,


auf die Gefahr hin, mich lächerlich zu machen, will ich hier mal kurz eine Überlegung zur Diskussion stellen:

Ich empfinde es (gerade Einhand) als unschön, meinen Kadaver von Luv nach Lee zu wechseln, wenn ich an der Fockschot rumfummeln muss. Meine knapp 100kg gehen dann nach Lee und fehlen Luv, was in Summe ja schon knapp 200kg sind, was gefühlt die Krängung verstärkt (Achtung: Abspecken ist keine Option). Ich habe jetzt probehalber die aktive Schot von der Winsch auf die Klemme der anderen Seite gelegt, was natürlich einmal über die Plicht läuft. Bei schwachem Wind passt es, da ich ohne Winsch rein durch Muskelkraft dichtholen kann. Wenn es etwas mehr Wind wird, geht es ohne Winsch natürlich nicht. Blöd, da ich gerade dann eigentlich Luv bleiben möchte. Also jetzt die Frage ansich: Ist es sinnvoll, nach dem Holepunkt übers Deck auf die andere Seite zu wechseln, mit einer neuen Rolle Richtung Heck umzulenken, um dann die Winsch auf der Luvseite zu nutzen? Man müsste dann auch noch einmal am Mast umlenken, damit das Deck keinen Schaden nimmt. Das ich dann längere Schoten benötige, ist mir bewußt.

Ich habe mal ein kleines Kunstwerk erstellt, falls meine Beschreibung nicht verständlich genug war:
Bild
Ich denke, irgend etwas wird dagegensprechen, da ich so etwas bisher nicht gesehen habe und mir die Idee bestimmt nicht als erstem eingefallen ist. Ich komme nur nicht drauf was es ist. Also los: Lacht mich gerne aus, sagt mir aber, warum.


Schönen Gruß
Markus

ps eigentlich eher eine Frage für den Technikbereich, ich kann es aber nicht dorthin verschieben.
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Re: Führung Fockschoten

Beitrag von Zeugmeister » Do 23. Jul 2020, 17:05

Servus,
Ich glaube der Denkfehler liegt hier wo anders. Ich fahre normaler Weise mit meiner Frau spazieren, und nicht Mal die braucht die Winchkurbel. Wenn das Dichtholen ansteht luve ich einfach ganz kurz soweit an bis der Druck aus dem Segel ist, dass sie ohne Kraftaufwand dichtholen kann, und dann wird wieder abgefallen. Dauert ca.a.5s. Für die Regatta eher nicht geeignet aber wie ich das verstanden habe geht es hier j a eher um Bequemlichkeit. zudem ist es auch noch ohne zusätzliche Umlenkung möglich.
Mfg Richard
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Re: Führung Fockschoten

Beitrag von jan himp » Do 23. Jul 2020, 19:17

Hi Markus,

führe das ganze System vor dem Mast vorbei, dann ist das wie eine Selbstwendefock ohne Schiene.
Habe ich bei einem 11 m Schiff installiert. Geht nur mit Normalfock.
Komfortabler geht es nicht.

Gruß,
Rolf
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Mephistopheles
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Re: Führung Fockschoten

Beitrag von Mephistopheles » Do 23. Jul 2020, 23:07

Hallo Rolf,

ich glaube, wir haben aneinander vorbeigeredet.
Ich habe natürlich weiterhin 2 Schoten.
Die zweite habe ich nur nicht mit eingezeichnet.
Ich meinte es so:
Bild

Schönen Gruß
Markus
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Re: Führung Fockschoten

Beitrag von Tenovice » Fr 24. Jul 2020, 01:06

Nur mal als Idee... entweder lenkst du über die Lee-Winsch auf Luv oder gehst hinten über die Rollen für die Spi-Schot - sofern vorhanden und man da am Süllrand vorbeikommt ohne das die Schot scheuert.

Bild

Vielleicht eine Option?
Hauptsache gesund und die Frau hat Arbeit...
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Re: Führung Fockschoten

Beitrag von Mephistopheles » Fr 24. Jul 2020, 09:08

Hi Christof,

prinzipiell mache ich es ja schon, wie von Dir eingezeichnet.
Allein das dabei dann zwei Schoten durch die Plicht laufen, würde mich sehr stören.
Weiterhin würde es mich stören, das ein Schot beide Winschen belegt. Bei Wende oder Halse sehe ich dabei Probleme.

Schönen Gruß
Markus
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Re: Führung Fockschoten

Beitrag von landi » Fr 24. Jul 2020, 09:54

Mephistopheles hat geschrieben:
Fr 24. Jul 2020, 09:08
Hi Christof,

prinzipiell mache ich es ja schon, wie von Dir eingezeichnet.
Allein das dabei dann zwei Schoten durch die Plicht laufen, würde mich sehr stören.
Weiterhin würde es mich stören, das ein Schot beide Winschen belegt. Bei Wende oder Halse sehe ich dabei Probleme.

Schönen Gruß
Markus
geht die Idee auch ein Schritt weiter? Die Schot am Heck über Rollen Bb und Stb und zurück zum Schothorn. Wäre mal interessant zu wissen, wie das mit dem Beschlagen und Lösen an der Winsch dann funktionieren kann.
Gruss, Jürgen

btw Markus, wie sieht Dein Plan Rund Rügen aus? Melde Dich doch einfach mal.

Gruss, Jürgen
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Re: Führung Fockschoten

Beitrag von Pippifein » Fr 24. Jul 2020, 17:41

Ahoi miteinander,
bedenkt bitte, dass mit jeder Umlenkung die Reibung steigt. Ich wäre für eine Lösung mit so wenig Umlenkungen als möglich.

Vorschlag von mir (auch in der Praxis schon probiert):
- Die Schot wird "irgendwo am Holepunkt" angeschlagen (muss jeder selber schauen ob das bei seinem Boot machbar ist)
- geht dann zum Vorsegel durch einen am Schothorn angeschlagenen Block
- wieder zurück durch den Holepunkt zur Winsch

Nachteil:
- doppelte Schotführung vom Holepunkt zum Segel
- man hat dadurch am Segel immer diesen Block hängen

Vorteil:
- keine Leine, die irgendwo über das Schiff führt und so irgendwann zur Stolperfalle wird
- durch die doppelte Schotführung vom Holepunkt zum Schothorn nutze ich das System als Flaschenzug: zwar doppelter Weg, dafür ist aber nur die halbe Kraft notwendig

Grüße aus Wien
Alexander
Grüße aus Wien
Alexander

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Re: Führung Fockschoten

Beitrag von THM » Fr 24. Jul 2020, 17:55

Quer auf dem Vordeck gespannte Schoten sehe ich als Sicherheitsrisiko. Falls der Segeltrimm komplett aus dem Cockpit erfolgen kann, ist das ggf. zu vernachlässigen. Bei mir sind das Groß- und Fockfall über Mastwinschen zu bedienen, deshalb würde ich das nie so machen. Die Winschkurbel bleibt meist trotzdem in der Backskiste, da ich es so wie Richard mache: Kurz anluven, Fockschot anholen und in der Kammklemme belegen. Hilfreich ist eine Feststelleinrichtung für die Pinne (ansonsten kommt die kurz zwischen die Beine).

Gruß
Thomas
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Re: Führung Fockschoten

Beitrag von Bremer » Sa 25. Jul 2020, 12:38

Ich lenke schon ewig die Genuaschot erst über die Leewinsch und von da auf die Luvwinsch. Auch da wird sie nur umgelenkt, um dann auf der Klemme hinter der Luvwinsch belegt zu werden. Mache das hauptsächlich, um an dem Stück der Schot, das hierbei natürlich vor dem Niedergang entlangläuft, sehr bequem ziehen zu können, um die Schot ganz ohne Kurbel mit wenig Kraftaufwand dichtzuholen. Ist ein hervorragender „Hebel“.
Viele Grüße
Wolfgang

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Re: Führung Fockschoten

Beitrag von Bremer » Sa 25. Jul 2020, 12:41

Ich greife also mittig in die querlaufende Schot, ziehe nach Achtern und hole gleichzeitig mit der anderen Hand das lose Ende an der Klemme dicht. Funktioniert perfekt!
Viele Grüße
Wolfgang

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