Ladungssicherung

Beschreibung: Das Boot richtig gesichert

Kategorie: Allgemeines

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Ladungssicherung

Hier geht es in erster Linie darum, wie ein Boot richtig auf einem Anhänger gesichert werden kann und was dabei zu beachten ist. Dafür ist es zwingend erforderlich, dass im Vorfeld einige theoretische Aspekte beleuchtet werden, denn einfach zwei Spanngurte "drüberwerfen" reicht meist nicht aus.

Grundsätzliches

Ladung ist gem. §22 StVO so zu sichern, dass sie:,, [...] selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen können. Dabei sind die anerkannten Regeln der Technik zu beachten."

Die anerkannten Regeln der Technik wären unter anderem die VDI 2700.

Das Boot selber stellt eine Masse dar, welche bei entsprechenden Beschleunigungskräften der Massenträgheit folgen wird. So wird es wohl bei einer Vollbremsung den Kofferraumdeckel des Zugfahrzeuges mit dem Bug spalten, wenn es ungesichert auf dem Hänger transportiert wird. Gem. VDI 2700 müssen 80% des Ladungsgewichtes gegen ein Verrutschen nach vorn - etwa bei einer Vollbremsung - gesichert werden. Zu den Seiten (Kurvenfahrt) und nach Hinten (Anfahren) sind es laut VDI 2700 je 50% des Ladungsgewichtes. Bei einem angenommenen Bootsgewicht von 1000kg müssen also 800kg durch die Sicherungsmittel abgefangen werden können - technisch bedingt werden die 50% dadurch immer mit erledigt sein.

Bevor jedoch die Sicherungsmethoden erläutert werden, ist es unabdingbar, sich die Sicherungsmittel näher anzuschauen, namentlich die Spanngurte.

Spanngurte

Das häufigste Sicherungsmittel, insbesondere bei unseren Booten, ist der Spanngurt. Jeder der schonmal getrailert ist kennt ihn aber vermutlich hat kaum einer auf das kleine blaue Etikett geschaut. Dort sind 3 relevante Werte aufgedruckt:

LC= Lashing Capacity
Shf= Standard Handforce
Stf= Standard Tension Force

Lashing Capacity gibt die Belastbarkeit im geraden Zug in der Maßeinheit daN (=Dekanewton) an. Mit einem Gurt mit einem LC-Wert von 2000daN könnte ein Gewicht von 2000kg gehoben werden. 1 daN entspricht demnach etwa 1kg.

Standard Handforce (=Handkraft) gibt an, mit welcher Kraft die Ratsche bedient werden muss um die angegebene Vorspannkraft zu erreichen. Meist liegt dieser Wert bei 50daN. Das heißt, die Ratsche muss mit der Kraft angezogen werden, die man aufbringt um 50kg anzuheben.

Standard Tension Force (=Vorspannkraft) gibt an, welches Ladungsgewicht bei der Niederzurrung mit dem Gurt gesichert werden kann, wenn der Gurt mit der angegebenen Shf angezogen wurde.

Um die nachstehenden Sicherungsmethoden zu veranschaulichen nehmen wir nachstehende Werte des Spanngurtes an:

LC= 2500 daN
Shf= 50 daN
Stf= 200 daN

Sicherungsmethoden

Es gibt nur 2 Infrage kommende Sicherungsmethoden um ein Boot auf einem Anhänger zu sichern.
1. Niederzurrung
Hierbei handelt es sich um eine weit verbreitete und meist unzureichend ausgeführte Sicherungsmethode

2. Direktzurrung
Hierbei handelt es sich um eine sichere, gute und technisch wenig anspruchsvolle Sicherungsmethode.

Beide Methoden werden nachstehend erläutert.

Niederzurrung

Diese Methode wird in der Praxis am häufigsten angewandt und dabei die meisten Fehler gemacht.
Idee der Niederzurrung ist, dass durch Aufpressen der Ladung auf den Ladeboden die Mikroverzahnung der beiden Oberflächen und dadurch die Reibung erhöht wird. Dadurch soll die Ladung daran gehindert werden sich zu bewegen.
Bezogen auf unser 1to Beispielboot bedeutet dies, dass wir versuchen das Boot mit seinem glatten Antifouling auf 4 Stützen und das Kielbrett zu drücken, wobei die Stützen meist eher seitlich anliegen. Wir pressen also unser Boot hauptsächlich aufs Kielbrett - also auf eine Fläche von vielleicht DinA2. Dabei ist zu beachten, dass der oben beispielhaft genannte Spanngurt zwar im geraden Zug 2500daN- also 2500kg sichern kann, wenn ich ihn jedoch für die Niederzurrung verwende nur noch 200daN also 200kg damit sichern kann. Da der Zug des Spanngurtes auf beiden Seiten wirkt, darf rechnerisch noch ein Wert von 50% aufgeschlagen werden. Der oben genannte Spanngurt kann also 300kg Ladungsgewicht sichern.
Bei unserem Beispielschiff von 1000kg und 800kg zu sichernder Ladung wären also mindestens 3 Spanngurte erforderlich um das Boot zu sichern. Unberücksichtigt bleiben hierbei Gleitreibbeiwerte. Durch den Einsatz von z.B. Antiruschmatten ließe sich die Last welche durch die Sicherungsmittel zu sichern ist, noch weiter reduzieren, sodass 2 Spanngurte ausreichend sein könnten. Die Niederzurrung darf jedoch nicht bei kippgefährdeter Ladung angewandt werden. Ob unser Boot nun Kippgefährdet ist oder nicht, kommt auf das Boot und dessen Beladung an.
Des Weiteren sind die 300kg nur dann vorhanden, wenn der Spanngurt mit der Shf von 50kg angezogen wurde. Dies alleine schmerzt wohl jeden Eigner, daher wird hier ausdrücklich die nachstehende Sicherungsmethode empfohlen:

Direktzurrung

Die Direktzurrung wird wesentlich seltener angewandt obwohl sie vergleichsweise einfach und deutlich handhabungssicherer ist. Es Bedarf hier 4 Spanngurte, welche an jeweils einem "Eck" des Bootes befestigt und zum Trailer abgespannt werden. Das Boot wird damit nicht auf die Ladefläche heruntergepresst, sondern seitlich durch den geraden Zug des Spanngurtes auf seiner Stelle auf dem Anhänger gehalten. Nun kommt auch der LC-Wert des Spanngurtes zur Anwendung. Problematisch ist jedoch, dass es in der Regel keinen Befestigungspunkt gibt um den Spanngurt entsprechend am Boot einzuhängen. Die Klampen sind hierfür weder geeignet noch zugelassen. Es bedarf eines sogenannten Hebegurtes welcher nach lösen des Relingsdrates sowohl um den Bug, als auch um das Heck herum gelegt gehört. In diesen Hebegurt wird der Spanngurt eingehakt und dann am Trailer befestigt. Jeder der 4 Stränge muss dann in der Lage sein, 50% der zu sichernden Last aufzunehmen, da bei jeder Bewegung des Bootes auf dem Trailer immer 2 Stränge belastet werden.

Zurrpunkte

Bitte beachtet, dass an jedem Trailer vorgesehene Zurrpunkte vorhanden sind. Diese müssen auch mittels eines Aufklebers beschriftet sein unter Angabe der höchstmöglichen Belastung in daN. Der tollste Spanngurt und die beste Sicherung am Schiff ist unnütz, wenn der Zurrpunkt nicht in der Lage ist, die entstehenden Kräfte aufzunehmen. Den Spanngurt im Rahmen einzuhängen ist nur dann zulässig, wenn vom Hersteller ausdrücklich freigegeben. Dies ist dann jedoch im COC und/oder direkt auf dem Anhänger vermerkt. Eine solche Zulassung habe ich bis heute jedoch noch nicht gesehen.
Zurrpunkte gibt es auch mit ABE zum Nachrüsten, sollten die vorhandenen zu wenig oder zu schwach dimensioniert sein.

Im übrigen gab es dazu auch mal einen sehr ergiebigen Thread im Forum:

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